Studierende sind häufig unsicher, was das Verfassen wissenschaftlicher Haus- und Abschlussarbeiten anbelangt: Wie gibt man korrekt Quellen an? Was ist ein Exposé? Nachfolgend finden sich einige häufig gestellte Fragen zu diesem Themenkomplex. Nach und nach werden die einzelnen Bereiche um weitere Informationen ergänzt.

Die folgenden Informationen stehen auch als PDF zum Download zur Verfügung.

I Grundlegendes

1) Was bedeutet wissenschaftliches Schreiben?
Wissenschaftliches Schreiben bedeutet, sich mit einem Sachverhalt wissenschaftlich auseinanderzusetzen beziehungsweise eine spezifische Fragestellung nach wissenschaftlichen Maßgaben zu beantworten. Weit verbreitet ist die Meinung, dass mit wissenschaftlichem Schreiben gemeint ist, möglichst komplexe Satzstrukturen sowie eine hohe Fach- und Fremdwortdichte in den Text zu integrieren. Dieses sprachliche „Aufplustern“ ist jedoch genau das Gegenteil dessen, was wichtig ist: Sichtweisen, Meinungen und Ergebnisse sollen klar, präzise und verständlich kommuniziert werden. Nur wer in der Lage ist, einen Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben, kann für sich in Anspruch nehmen, diesen Sachverhalt durchdrungen zu haben.

2) Worauf kommt es beim wissenschaftlichen Schreiben an?
Grundlegend ist das Prinzip der wissenschaftlichen Redlichkeit, was bedeutet, dass sämtliche Ideen, Argumente, Formulierungen – aber auch Abbildungen und Grafiken – von anderen übernommen werden nicht als eigenes Gedankengut ausgegeben werden. Jede Übernahme fremden Gedankengutes beziehungsweise die Anlehnung an solches ist mit einem Quellenbeleg nachzuweisen.

3) Welche Formalia sind zu beachten?
Sofern der Dozent oder die Dozentin einen Leitfaden (Stylesheet) erstellt hat, in dem aufgeführt ist, wie zu zitieren oder welche Schriftart zu wählen ist, dann sollte man sich unbedingt an diese Vorgaben halten. Existieren hingegen keine verbindlichen Vorgaben, dann gilt einzig die Prämisse „Einheitlichkeit und Konsistenz“. Das einmal gewählte Vorgehen muss in der kompletten Arbeit beibehalten werden.

II Ideenfindung und Recherche

4) Worin liegt der Unterschied zwischen Thema und Fragestellung?
Das Thema umfasst den Bereich, in dem eine Arbeit angesiedelt ist. Eine Fragestellung hingegen bringt klar zum Ausdruck, welche Ziele mit der vorliegenden Arbeit verfolgt werden. Je konkreter die Fragestellung ist, desto leichter fällt die Bearbeitung und die Entscheidung darüber, welche Aspekte in die Arbeit aufgenommen werden müssen und welche außen vor gelassen werden können.

5) Wie geht man bei der Recherche vor?
Einen Königsweg gibt es nicht, aber es bietet sich an, zuerst Google (für einen allgemeinen Überblick, nicht für eine Quellensuche) oder den Bibliothekskatalog der Universität zu bemühen. Die Suche nach Schlagwörtern – also Wörter, die den Inhalt beschreiben – bietet sich dabei an. Auch Fachzeitschriften (über Datenbanken der Universität erreichbar) sind ein wichtiger Faktor bei der Recherche, da sie aktuelle und sehr spezifische Forschungsergebnisse bieten. Für einen grundlegenden Überblick mit weiterführenden Literaturhinweisen bieten sich Lehrbücher sowie Einführungswerke an.

6) Wie werden Texte gelesen?
Je nach Ziel gibt es verschiedene Lesetechniken. Soll sich bloß ein erster Eindruck verschafft werden, bedient man sich des kursorischen Lesens, indem beispielsweise Kapitelüberschriften gelesen werden. Beim suchenden Lesen ist es das Ziel, bestimmte Informationen – beispielsweise in Bezug auf die eigene Fragestellung – zu finden. Die intensivste Form des Lesens ist das detaillierte Lesen. Bei dieser Technik soll der Text auf allen Ebenen verstanden werden. Dies ist wichtig, um Textzusammenfassungen zu schreiben, die in der Arbeit Verwendung finden können. Dazu tritt noch das redigierende Lesen, um inhaltliche und sprachliche Mängel aufzuspüren.

7) Wie wird das Gelesene am besten verarbeitet?
Das Gelesene lässt sich auf verschiedene Arten verarbeiten. Manch einer arbeitet mit Unterstreichungen in verschiedenen Farben (beispielsweise eine Farbe für Definitionen, eine Farbe für Argumentationen und eine andere Farbe für Zusammenfassungen). Zudem kann man sich am Seitenrand Notizen machen. Bei wichtigen Texten bietet sich das Exzerpieren an. Ein Exzerpt beinhaltet die wichtigsten Gedanken eines Textes, die entweder als direkte Zitate oder in Form von Paraphrasen – stets mit Quellenangaben – übernommen werden.

III Vorgehen und Inhalt

8) Was ist ein Exposé?
Bei einem Exposé handelt es sich um eine kurze Vorhabensbeschreibung. In einem Exposé wird zum Thema hingeleitet, die Fragestellung genannt sowie das Vorgehen erläutert. Eine erste Gliederung und ein vorläufiges Literaturverzeichnis runden das Exposé ab. Es ist demnach ein Text, der vor der eigentlichen Arbeit verfasst wird. Auch wenn es nach einem Mehraufwand klingt, so macht sich dieser doch sehr schnell bezahlt. Mit einem Exposé kann einerseits der betreuende Dozent die Tragfähigkeit des Unterfangens prüfen, während man als Autor frühzeitig Mängel aufdecken und sich seiner Vorgehensweise vergewissern beziehungsweise diese sich „absegnen“ lassen kann. Viele Aspekte des Exposés können den Grundstock für die spätere Einleitung bilden.

9) Wozu wird eine Gliederung benötigt?
Eine logische und konsistente Gliederung, die der Beantwortung der Leitfrage dienlich ist, trägt zum Gelingen einer Arbeit bei. Stellt man frühzeitig eine Gliederung auf, kann man die gelesene Literatur bereits in einem frühen Stadium den einzelnen Kapiteln zuordnen. Das erleichtert die spätere Arbeit und gibt eine gute Orientierung.

10) Aus welchen Teilen besteht eine Arbeit?
Typischerweise setzt sich eine Arbeit aus den folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Deckblatt
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Arbeit im engeren Sinn (Einleitung – Hauptteil – Schluss)
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang
  • Selbstständigkeitserklärung

Das genaue Vorkommen und die Position der einzelnen Bestandteile können je nach wissenschaftlicher Disziplin variieren.

11) Welchen Teil schreibt man zuerst?
Es gibt kein Patentrezept. In der Praxis sieht man oft, dass die Grundlagenkapitel mit Begriffsbestimmungen/Definitionen zuerst verfasst werden, weil diese nach eingehender Literatursichtung relativ leicht von der Hand gehen können. Abschnitte wie Einleitung und Schluss werden hingegen erst gegen Ende des Schreibprozesses verfasst. Da das Verfassen einer Arbeit ein Prozess ist, kann sich die Anordnung der einzelnen Kapitel noch (leicht) ändern, sodass dieser Aspekt eher dafür spricht, die Einleitung am Schluss zu schreiben.

12) Wie wird die Arbeit inhaltlich gestaltet?
Wichtig ist der „rote Faden“: Je konkreter die Fragestellung ist, desto leichter ist es im Schreibprozess, den roten Faden in den Text „einzuweben“. Jede Passage muss dem Kriterium standhalten, ob sie zur Beantwortung der Leitfrage beiträgt. Trägt sie nicht dazu bei, dann ist es oftmals sinnvoll, diese zu löschen, um den Text präziser und schlanker zu machen. Es ist keine Alternative, den besagten Teil in eine Fußnote zu schieben. Fußnoten sollen Schatz- und nicht Abstellkammer sein.

IV Zitieren und Literaturverzeichnis

13) Wie wird eine Quelle im Fließtext angegeben?
Man hat die Wahl zwischen mehreren Zitationssystemen: Es ist beispielsweise möglich, die Quelle per Fußnote anzugeben. Im Fließtext findet sich eine hochgestellte Ziffer, der eigentliche Beleg befindet sich dann am unteren Seitenrand. Diese Zitierweise ist besonders in den Geisteswissenschaften und in der Rechtswissenschaft gebräuchlich. Bei der ersten Nennung wird die Quelle komplett angegeben, erst dann ist ein Kurzbeleg möglich (Autorenname (Jahr): Seitenzahl). Eine Variante ist das Belegen per Endnote: Der beleg befindet sich dann nicht am Seitenende, sondern am Ende des Kapitels oder am Ende des Textteils. Diese Vorgehensweise ist aber mittlerweile so gut wie nicht mehr verbreitet. Sehr gebräuchlich ist hingegen die sogenannte Harvard-Methode im Autor-Jahr-Seiten-System. Nach dem Zitat steht dann eine Klammer mit den notwendigen Angaben: z. B. „Müller 2010: 34)“. Der Kurzbeleg ist eine effiziente Variante, da die komplette Angabe erst im Literaturverzeichnis aufgeführt wird. Das Belegen per Fußnote fällt hier folglich weg, sodass die Fußnoten ausschließlich ergänzenden Angaben, die nicht in den Fließtext gehören, vorbehalten sind.

14) Wie werden direkte und indirekte Zitate voneinander unterschieden?
Es ist üblich, dass bei indirekten Zitaten der Beleg mit einem „vgl.“ versehen wird, mit dem kenntlich gemacht wird, dass man nicht direkt zitiert hat, sondern dass das Gesagte in eigenen Orten ausgedrückt wurde.

15) Welche Quellen müssen in das Literaturverzeichnis?
Im Literaturverzeichnis werden ausnahmslos alle Quellen aufgeführt, die in der Arbeit direkt oder indirekt zitiert wurden. Auch solche, aus denen „lediglich“ Abbildungen übernommen wurden.

16) Welche Angaben muss ein Eintrag im Literaturverzeichnis enthalten?
Man unterscheidet zwischen obligatorischen Angaben, solche die unbedingt mit aufgenommen werden müssen, und fakultativen Angaben, die aufgenommen werden können. Zu ersteren gehören die Namen des Autors beziehungsweise der Autoren, der Titel, die Auflage und der Erscheinungsort. Bei Aufsätzen müssen der Zeitschriften- oder der Sammelbandtitel und die exakten Seitenzahlen des Artikels aufgeführt werden. Bei einem Zeitschriftenartikel darf zudem nicht die Ausgabe des Heftes vergessen werden, in welcher der zitierte Aufsatz enthalten ist.  Neben diesen Pflichtangaben darf man selbst entscheiden, ob Angaben wie Verlagsnamen und Reihentitel aufgenommen werden. Bei den fakultativen Angaben ist darauf zu achten, dass diese dann auch bei jedem Eintrag – sofern vorhanden – berücksichtigt werden, um das einheitliche Erscheinungsbild zu wahren.

V Sprachliche Gestaltung

17) Worauf kommt es beim Formulieren an?
Es ist wichtig, eine sachliche Logik in eine sprachliche Logik zu überführen. Als Autor muss man logische Bezüge so versprachlichen, dass der Leser diese erfassen kann. Wenn zwischen zwei Sachverhalten ein kausaler Zusammenhang besteht, dann muss dieser durch adäquate sprachliche Mittel (z. B. durch weil) auch zum Ausdruck gebracht werden. Darüber hinaus sollten die Sätze nicht übermäßig lang sein. Eine gute Methode, um zu überprüfen, ob Satzkonstruktionen zu komplex und zu lang sind, ist das laute Vorlesen. Kommt man außer Atem, sollte man aus einem sehr langen Satz zwei Sätze mittlerer Länge machen.

18) Wie korrigiert man am besten seine Haus- oder Abschlussarbeit?
Wichtig ist, die fertige Arbeit nicht ausschließlich selbst auf inhaltliche beziehungsweise sprachliche Mängel zu überprüfen. Durch die Beschäftigung mit einem Thema über einen längeren Zeitraum hinweg schleicht sich die sogenannte Betriebsblindheit ein: Selbst offensichtliche Fehler werden leicht übersehen. Daher ist es äußerst empfehlenswert, die Arbeit von versierten Leuten lesen zu lassen. Am besten wendet man sich an mindestens zwei Personen, wobei ein paralleles Korrigieren vermieden werden sollte, damit sich die Änderungen besser einarbeiten lassen.

19) Wem sollte man die Arbeit zum Gegenlesen geben?
Es empfiehlt sich, bei der Auswahl der korrigierenden Personen darauf zu achten, dass eine Person mit Fachwissen darunter ist, aber auch eine fachfremde sollte einen Blick in die Arbeit werfen. So lässt sich prüfen, ob man in der Arbeit Sachverhalte klar und präzise ausgedrückt hat.

20) Was sollte unbedingt vermieden werden?
Sofern es möglich ist, sollten mit dem Dozenten / der Dozentin regelmäßige Konsultationstermine ausgemacht werden, damit der Schreibprozess nicht unbegleitet und ohne Feedback bleibt. Viele Dozenten lesen auch gern einige Probeseiten, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Wird einem diese Option angeboten, sollte man diese unbedingt wahrnehmen.

 

Ich hoffe, diese Auflistung beantwortet möglichst viele Ihrer Fragen und hilft Ihnen beim Verfassen Ihrer wissenschaftlichen (Haus-)Arbeit. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann bei der Komplexität des Themenbereiches natürlich nicht erhoben werden Bei Anmerkungen können Sie mich gern kontaktieren: kontakt@lektorat-missal.de

 

top